Rätsel um den Umgang mit einer Geschäftsführerin

Die Fraktion DIE aNDERE zeigt sich irritiert und empört über die erneute Trennung von einer hochqualifizierten Geschäftsführerin im Stadtwerke-Verbund.

Nach allem, was bislang öffentlich bekannt geworden ist, geht es offenbar nicht um einen groben Fehler oder ein konkretes Fehlverhalten der Geschäftsführerin. Im Raum steht vielmehr der Vorwurf, das Unternehmen sei unter ihrer Verantwortung nicht entscheidend genug vorangebracht worden.

Das wirft für uns grundlegende Fragen auf: Welche konkreten Erwartungen hatte die Gesellschafterin an die Geschäftsführung? Welche Ziele wurden vorgegeben, wie wurden sie kommuniziert und wie wurde ihre Umsetzung durch den Aufsichtsrat begleitet?

Die Stadtwerke stehen vor enormen Herausforderungen. Energie- und Wärmewende, Investitionsdruck, Fachkräftemangel, Mobilitätswende und die wirtschaftliche Stabilität des gesamten Verbundes sind Aufgaben, die eine einzelne Geschäftsführerin nicht im Alleingang lösen kann.

Hinzu kommt: Die Stadtwerke werden von einer Doppelspitze geführt. Wenn die Entwicklung des Unternehmens nun maßgeblich zur Begründung der Trennung von einer einzelnen Geschäftsführerin herangezogen wird, stellt sich deshalb die Frage, nach welchen Kriterien diese Bewertung erfolgt und wie die Verantwortung innerhalb der Doppelspitze gewichtet wurde.

Auch die Struktur des gesamten Stadtwerke-Verbundes muss dabei berücksichtigt werden. Die einzelnen Unternehmen werden von eigenen Geschäftsführungen verantwortet. Die Entwicklung des Verbundes ist damit das Ergebnis eines Zusammenspiels verschiedener Geschäftsführungen, Aufsichtsgremien und der strategischen Vorgaben der Gesellschafterin.

Wenn die Performance des Verbundes oder wesentlicher Teile davon zur Begründung der Trennung einer einzelnen Geschäftsführerin herangezogen wird, stellt sich deshalb eine grundlegende Frage: Kann die Entwicklung eines solchen komplexen Verbundes tatsächlich der Leistung einer einzelnen Geschäftsführerin zugerechnet werden?

Aus unserer Sicht muss zunächst nachvollziehbar dargestellt werden, welche konkreten Ergebnisse und Verantwortungsbereiche der betroffenen Geschäftsführerin zugerechnet werden und welche in die Verantwortung anderer Geschäftsführungen fallen. Andernfalls besteht die Gefahr, eine Gesamtentwicklung zu personalisieren, für die es eine deutlich breitere Verantwortungsstruktur gibt.

Gerade deshalb reicht es nicht aus, pauschal festzustellen, das Unternehmen sei „nicht entscheidend vorangebracht“ worden. Es muss benannt werden, was damit konkret gemeint ist, wer für die jeweiligen Bereiche verantwortlich war und welche Rolle die Gesellschafterin und der Aufsichtsrat bei der strategischen Steuerung gespielt haben.

Für uns ist dabei insbesondere die Rolle des Aufsichtsrats und seines Vorsitzenden zu hinterfragen.

Der Aufsichtsrat soll die Geschäftsführung kontrollieren und begleiten. Dazu gehört auch, frühzeitig zu erkennen, wenn strategische Ziele nicht erreicht werden, und gemeinsam mit der Gesellschafterin und der Geschäftsführung gegenzusteuern. Wenn die Entwicklung der Stadtwerke nun als unzureichend bewertet wird, muss deshalb auch gefragt werden: Wurde tatsächlich an der richtigen Stelle nach den Ursachen gesucht?

Der Aufsichtsratsvorsitzende trägt dabei eine besondere Verantwortung. Er prägt die Arbeit des Gremiums und hat erheblichen Einfluss darauf, welche Fragen gestellt, welche Entwicklungen thematisiert und welche Entscheidungen vorbereitet werden. Deshalb geht es aus unserer Sicht nicht nur um die Frage, ob die Geschäftsführerin die Erwartungen erfüllt hat. Es geht auch darum, ob der Aufsichtsratsvorsitzende und die Gesellschafterin ihrer Verantwortung für eine klare strategische Steuerung gerecht geworden sind.

Diese Fragen stellen sich für uns auch vor dem Hintergrund der personellen Veränderungen der vergangenen Jahre. Mit Sophia Eltrop hat Potsdam 2022 eine ausgewiesene und öffentlich hoch anerkannte Geschäftsführerin verloren. Auch Christiane Preuß übernahm zeitweise zusätzlich zu ihrer Tätigkeit bei der EWP Verantwortung in der Geschäftsführung der Stadtwerke.

Wir behaupten nicht, dass diese Fälle in ihren Ursachen identisch sind. Aber sie werfen die politische Frage auf, wie mit hochqualifizierten Frauen in Führungspositionen im Stadtwerke-Verbund umgegangen wird.

Wenn sich bei personellen Trennungen immer wieder Begründungen finden, die für die Öffentlichkeit nur schwer nachvollziehbar sind, entsteht der Eindruck eines Musters. Diesen Eindruck muss die Gesellschafterin aus unserer Sicht ernst nehmen und transparent klären.

DIE aNDERE erwartet deshalb Antworten statt nebulöser Begründungen.

Wir wollen wissen,

  • nach welchen konkreten Kriterien die Leistung der Geschäftsführerin bewertet wurde,
  • welche Ziele und Erwartungen ihr von der Gesellschafterin vorgegeben wurden,
  • wie die Verantwortung innerhalb der Doppelspitze und des gesamten Stadtwerke-Verbundes bewertet wurde,
  • welche Rolle der Aufsichtsrat und insbesondere sein Vorsitzender bei der strategischen Steuerung gespielt haben und
  • welche Konsequenzen aus den wiederholten personellen Veränderungen im Stadtwerke-Verbund gezogen werden.

Wer Führung bestellt, muss Ziele formulieren. Wer Aufsicht führt, muss Entwicklungen rechtzeitig erkennen. Und wer mit der Entwicklung eines Unternehmens unzufrieden ist, muss sich auch fragen lassen, welchen eigenen Anteil er daran trägt.

Wir erwarten eine transparente Aufklärung der Vorgänge und eine offene Diskussion darüber, wie die Stadtwerke Potsdam künftig geführt und strategisch ausgerichtet werden sollen.